Der Liebling der Senioren

„Geht doch!“, möchte man spontan sagen, wenn man Fabian Dinsing an seinem Arbeitsplatz im Würzburger Marienheim erlebt. Wenn man sieht, mit welcher Freude der junge Mann Senioren Frühstück serviert, wie behutsam er sie zu ihren Zimmern begleitet – und wie nebensächlich es ist, dass er Down-Syndrom hat.

Mit seiner positiven Ausstrahlung hat Fabian Dinsing die Herzen der Bewohner des Marienheims im Sturm erobert. Dass er ein bisschen anders ist als die anderen, daran haben sie sich längst gewöhnt. Der 21-Jährige arbeitet schließlich schon seit Mai in der Einrichtung der Caritas. Aus seinem Praktikum ist inzwischen ein unbefristeter Vertrag geworden. „Ich mach hier Karriere“, sagt er mit stolz geschwellter Brust und bringt seine Chefin Zaida Hock zum Lachen. „Das macht er gern, Leute zum Lachen bringen“, erzählt sie. Für das Marienheim sei Fabian eine echte Bereicherung, nicht nur weil er eine wertvolle Unterstützung im Pflegealltag sei und kräftig mitanpacke. „Wir lernen jeden Tag voneinander.“

Das wird spätestens deutlich, als der junge Mann einer gehörlosen Seniorin auf dem Flur begegnet und ein spontanes Schwätzchen mit ihr hält. Dass er die Gebärdensprache nicht beherrscht, spielt keine Rolle. Mit Händen und Füßen tauscht er sich mit der alten Dame aus, die ihn herzlich an sich drückt. „Fabian hat keine Berührungsängste und geht viel offener auf Leute zu“, sagt Heike Bieber. Als Integrationsbegleiterin von „INklusiv! – Gemeinsam arbeiten“, einem Fachbereich der Mainfränkischen Werkstätten, unterstützt sie Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg ins Berufsleben. „Unser Ziel ist es, dass sie wählen können, ob sie in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten wollen oder – wie Fabian – in Betrieben der Region.“ Solche Betriebe zu finden, sei allerdings gar nicht so leicht. „Umso mehr haben wir uns gefreut, dass die Caritas-Einrichtungen gGmbH von sich aus auf uns zugekommen ist“, sagt sie.

„Chancen für Menschen wie Fabian Dinsing zu schaffen, ist uns ein Herzensanliegen“, betont Georg Sperrle, Geschäftsführer der Caritas-Einrichtungen gGmbH, als er seinen neuen Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz besucht. In zwei weiteren Caritas-Pflegeeinrichtungen in Würzburg und Kitzingen habe man bereits gut mit „Inklusiv!“ zusammengearbeitet und tolle Erfahrungen gemacht, erzählt Sperrle, bevor er von Fabian eine private Führung durch das Haus bekommt.

Mit dem 21-Jährigen Schritt zu halten, ist allerdings gar nicht so leicht. „Hier kochen wir immer Kaffee, dort gibt es Frühstück, das ist der Thomas, das ist die Frau Durchholz, hier geht’s zur Müllpresse“, erklärt er, während er zielstrebig durch die Wohnbereiche der Senioreneinrichtung schreitet und immer wieder Kollegen und Bewohner grüßt. Auf die Frage, was seine Lieblingsbeschäftigung sei, antwortet er ohne zu zögern: die Müllpresse. Aber auch kleinere Botengänge erledige er gern. Dass die Arbeitsaufträge für Fabian genau formuliert sein müssen, hat das Team um Zaida Hock inzwischen gelernt. „Er hat zum Beispiel ein anderes Verständnis von Zeit als wir“, sagt die Einrichtungsleitung. „Darauf mussten sich unsere Mitarbeiter erst einmal einstellen und ein gewisses Fingerspitzengefühl entwickeln.“ Fingerspitzengefühl entwickeln musste aber auch Fabian, denn viele der Senioren im Marienheim sind dement. „Ich habe gelernt, dass es manchmal besser ist, ein bisschen Abstand zu halten“, erzählt er.

Falls es mit der Karriere im Altenheim auf Dauer doch nichts werden sollte, könnte sich Fabian auch eine Laufbahn als Schauspieler vorstellen. Wenn sein Arbeitstag im Marienheim um 13 Uhr zu Ende geht, steht er für das Theater Augenblick der Mainfränkischen Werkstätten auf der Bühne. Auch da geht es nicht um Behinderung. Sondern um Begegnung.

Verfasserin: Julia Eyrisch, Öffentlichkeitsarbeit, Caritasverband für die Diözese Würzburg e. V.