Auf’s Gleis gesetzt – Gelungene Inklusion bei Blumen Weißmann

Seit über 18 Jahren erfreut uns in Lengfeld die leidenschaftliche Floristin Carmen Weißmann mit geschmackvollen, individuellen Blumenideen und liebevoll arrangiertem Blumenschmuck für besondere Anlässe. In ihrem Geschäft „Blumen & Floristik Carmen Weißmann“ in der Werner-von-Siemens-Straße wird die Chefin dabei von einem kleinen Team unterstützt.

Im Oktober 2021 hat dieses Team Verstärkung durch eine ungewöhnliche Mitarbeiterin bekommen. Was als kleines Experiment begann, hat sich inzwischen erfreulicherweise als richtige Entscheidung für alle Seiten erwiesen. Eva Baunach – so der Name der neuen Mitarbeiterin – hat mit einem Praktikum bei „Blumen & Floristik Carmen Weißmann“ als Unterstützung im Tagesgeschäft begonnen. Ungewöhnlich dabei? Eva ist eine junge Frau mit Behinderung, die von den Mainfränkischen Werkstätten und deren Fachbereich „INklusiv – Gemeinsam arbeiten“ vermittelt wurde.

„INklusiv – Gemeinsam arbeiten“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, erwachsene Menschen mit Behinderung auf dem Weg in ein Arbeitsverhältnis außerhalb der beschützenden Werkstätten zu begleiten und zu unterstützen. Denn natürlich wollen und sollen auch Menschen mit Behinderung ihren Platz in unserer Arbeitswelt finden. Um dies zu ermöglichen, wurde 2015 „INklusiv – Gemeinsam arbeiten“ ins Leben gerufen.

Aktuell können bereits 108 Außenarbeitsplätze in Kooperationsbetrieben in ganz Mainfranken verbucht werden. Diese verteilen sich auf die verschiedensten Sparten: in Kindergärten, in Senioreneinrichtungen, im Handwerk, in der Gastronomie, in Industriebetrieben, im Steuerbüro, oder eben auch in einem Blumenladen.

Evas Schwerpunkt lag anfänglich bei den Zuarbeiten, wie Blumen anschneiden, kehren, Ordnung halten. Durch ihre Hilfsbereitschaft und ihre Freude am Umgang mit Blumen überzeugte sie Frau Weißmann und die anderen Kolleginnen.

Im November 2021 wurde eine Kooperation mit den Mainfränkischen Werkstätten abgeschlossen. Evas Aufgabengebiet wächst stetig. Das bedeutet in ihrem Fall nicht nur eine praktische Hilfe für den Arbeitgeber, sondern auch eine Förderung ihrer Fähigkeiten, um trotz der Behinderung eingenständig im Alltag zurecht zu kommen. Als Symbol für dieses gelungene INklusiv-Projekt fand im März 2022 eine sogenannte „Gleisübergabe“ an Carmen Weißmann statt; wieder konnte ein Mensch mit Behinderung „aufs Gleis gesetzt“ werden, also die nötige Hilfestellung für den Einstieg in einen Beruf erhalten. Der Preis spiegelt wider, dass solches Engagement großen Dank verdient. Eva fühlt sich jetzt sehr wohl. Ihr gefällt es, eine sinnvolle und nützliche Tätigkeit gefunden zu haben, die Abwechslung und den freundlichen, respektvollen Umgang miteinander einschließt. Sie empfindet die anderen nicht nur als Kollegen, sondern als ihre Arbeitsfamilie.

Erschienen im Lengfelder Blättle Heft 48 / Mai 2022